Emil Strub – und sein Zahnstangensystem
Berichterstattung HR. Lüthy-Pavan, Gestaltung Franz Straka
In Trimbach bei Olten – dem schweizerischen Eisenbahnknoten – wurde Emil Strub am 13. Juli 1858 geboren. Er besuchte die Volks- und Bezirkssschule von Olten. Die ersten Grundlagen zu seiner späteren Tätigkeit, durch die sein Name weltbekannt werden sollte, verdankte er dem Bergbahn-Erbauer Niklaus Riggenbach, in dessen Werkstätten in Aarau er 1882 – 1883 seine erste Lehre durchmachte. Zur weiteren Ausbildung besuchte er dann das Technikum Mitweida und arbeitete praktisch in den Maschinenfabriken Hohenzollern und Esslingen, bis sein Wunsch, wieder in die Heimat zurückzukehren durch Anstellung Ende 1886 als Konstrukteur in der Schweizerischen Centralbahnwerkstätte in Olten in Erfüllung ging.
13. Juli 1858 – 15. Dezember 1909
Portrait von Emil Strub
Foto: aus Männer der Schiene /E. Mathys
Aus dieser Stellung wurde er am 14. Februar 1888 vom Bundesrat an die neu geschaffene Stelle eines Kontrollingenieurs für Bergbahnen beim Schweizerischen Eisenbahndepartement gewählt. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Berufung 1891 zum Inspektor der Berner Oberlandbahnen. In den Jahren 1896 bis 1898 finden wir ihn als Direktor der Jungfraubahn tätig. Von 1898 an hat Emil Strub ein selbständiges Ingenieurbüro geführt, zunächst bis 1901 in Montreux und dann in Zürich, wo er von 1902 bis 1904 mit Ingenieur A. Thomann und von 1905 an zu Studien für Spezialbahnen mit Ingenieur H. H. Peter gemeinsam arbeitete. Ohne eine technische Hochschule besucht zu haben, hat Strub es verstanden, sich mit seinen reichen Erfahrungen auf dem Gebiet der Bergbahnen (Seilbahnen und Zahnstangenbahnen) zu einem der hervorragendsten, im In- und Ausland gleich hoch geschätzten Spezialisten empor zu arbeiten, dessen Mitarbeit überall gesucht wurde. Davon zeugen die von ihm unter seiner Mithilfe ausgeführten Arbeiten, die grösstenteils auch durch ihn selbst in der „Schweizerischen Bauzeitung“ zur Darstellung kamen.
Ausserdem sind von Strub bei Bergmann in Wiesbaden zwei zusammenfassende Arbeiten erschienen: Die Bergbahnen der Schweiz. Teil I: Drahtseilbahnen und Teil II: Zahnradbahnen. Von seinen weiteren ausgeführten Anlagen seien wahlweise genannt: die Münsterschlucht-Bahn (1905/1908), die Virglbahn in Tirol (1906/1907), die Areskutan-Bahn in Schweden (1908/1909). Projekte hat er bearbeitet und waren noch in Vorbereitung für Österreich-Ungarn, Russland, Deutschland, Schweden, Frankreich, Spanien und Italien.
Was Strubs Namen am meisten verbreitet hat, war das von ihm erfundene Zahnstangensystem. Im Februar 1896 setzte Adolph Guyer-Zeller durch die für die Vorbereitung der Jungfraubahn bestellte wissenschaftliche Kommission Preise im Gesamtbetrage von 30.000 Franken für die besten Lösungen einer Reihe von Fragen, welche beim Bau und Betrieb dieser Bahn in Betracht fielen, aus. Strub gewann den ersten Preis von 5.000 Franken für das von ihm vorgeschlagene System, das sich dann glänzend bewährt hat.

Die Jungfraubahn, sein grosses Werk mit der Strubschen Zahnstange    Foto: Direktion JB
Er übertrug dessen Ausführung den L. von Roll'schen Eisenwerken in Gerlafingen und hatte die Genugtuung, zu erleben, dass seine Zahnstange ausser bei den bereits genannten noch bei einer grossen Zahl anderer Bahnen Verwendung fand; so bei Triest-Oscina, Martigny-Châtelard, Brunnen-Morschach, Asiago-Rochetta, Monte-Carlo, Monthey-Champéry usw. Die italienischen Staatsbahnen haben das System Strub für die Bergbahnen in Kalabrien und Sizilien gewählt und bedeutende Aufträge dafür erteilt. Strub wurde am 9. Januar 1899 zum beratenden Ingenieur der Bergbahn auf den Mont Pélerin gewählt. Bei all seinen Erfolgen behielt Emil Strub sein ruhiges und schlichtes Wesen bei. Seine Freunde wussten diese Eigenschaften zu schätzen. Im engern Kreis kam seine Freundlichkeit, wie auch sein Humor erst recht zum Ausdruck und aus seiner reichen Praxis im Bergbahnwesen wusste er viel Interessantes zu erzählen. Sein Leben war rastlose Arbeit und unermüdlich verfolgte er alle Fortschritte und Erscheinungen im Bergbahnwesen, eifrig mitarbeitend und Neues schaffend. Mitten in der Arbeit für neue Entwürfe und Ausführungen hat ihn der Tod am 15. Dezember 1909 ereilt und seinen Mitarbeitern entführt. Das Zahnstangensystem Strub aber lebt noch lange weiter.
Quellenangabe
E. Mathys: Männer der Schiene
Berichterstattung von HR Lüthy-Pavan
Gestaltung von Franz Straka
Juni 2010